Rote Armee Fraktion - Dokumente

Chronologie
Geschichte der RAF und der Kontext der Antiimperialistischen Bewegungen, Befreiungsbewegungen in der 'dritten Welt' und Studentenrevolten

Zusammengestellt von Ron Augustin

1954
7.5. - Truppen des Viet-Minh gewinnen die Schlacht von Dien Bien Phu, die zum Abzug der französischen Kolonialmacht aus Indochina führt. Erster grosser Sieg einer antikolonialen Guerillabewegung.
1.11. - Anfang des bewaffneten Kampfs in Algerien mit der Bildung der nationalen Befreiungsfront FLN.

1955
18.-24.4. - Afro-Asiatische Konferenz in Bandung, als deren Ergebnis sich die Bewegung der blockfreien Staaten bildet. Der vom französischen Soziologen Alfred Sauvy seit 1952 auf die Entstehung einer solchen Bewegung bezogene Begriff der "Dritten Welt" wird von ihr als Kampfbegriff aufgenommen.

1956
26.7. - Anfang des bewaffneten Kampfs in Kuba mit dem Angriff Fidel Castros auf die Moncada Kaserne.
17.8. - Verbot der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). In der Folge kommt es zu etwa 125 000 Ermittlungsverfahren gegen vermeintliche KPD-Mitglieder und Sympathisanten.

1957
6.3. - Nach der "Schlacht von Algiers" wird der "Selbstmord" des FLN Führers Larbi Ben M'hidi in französischer Gefangenschaft bekanntgemacht. Im Jahr 2000 wird General Paul Aussaresses zugeben, dass Larbi Ben M'hidi und sein Rechtsanwalt Ali Boumendjel zu Tode gefoltert worden sind.
28.7. - Gründung der Situationistischen Internationale, einer Künstlergruppe die sich vor allem gegen die Kolonialpolitik Frankreichs ausspricht und mit ihren theoretischen Schriften einen starken Einfluss auf die Studentenbewegung in Frankreich ausüben wird. Ihre deutsche Sektion um die Gruppe Spur wird die ausserparlamentarische Opposition in der Bundesrepublik und Westberlin beeinflüssen.

1958
7.4. - In London wird unter dem Slogan "Ban the Bomb" der erste Ostermarsch gegen die Atomrüstung gehalten. In den nächsten zehn Jahren gewinnen die Ostermärsche in ganz Westeuropa an Bedeutung.

1959
1.1. - Fidel Castros Guerilla zerschlägt die Batista-Diktatur und übernimmt die Macht in Kuba.
20.-22.6. - Zwei versuchte Mordanschläge auf Frantz Fanon in Rom.

1960
1.2. - Ein "Sit-in" von vier afro-amerikanischen Studenten gegen Rassentrennung in einem Restaurant in Greenboro nimmt eine Tradition von Sit-ins wieder auf, und führt zu einer Wiederbelebung der Bürgerrechtsbewegung in den USA.
14.3. - Vertrag zwischen den Regierungen der USA, der BRD und Israels über westdeutsche Waffenlieferungen an Israel im Rahmen der "Wiedergutmachungsvereinbarungen".
21.3. - In Südafrika werden bei einer Demonstration gegen die Apartheid in Sharpeville 69 Menschen erschossen. Das Massaker von Sharpeville führt dazu, dass der PAC (Pan Africanist Congress) und der ANC (African National Congress) wenig später den bewaffneten Kampf aufnehmen.
15.10. - In Genf wird der kamerunische Unabhängigkeitsführer Félix Moumié vom französischen Geheimdienst SDECE mit einer Thalliumvergiftung ermordet. Am 3.11. stirbt er. Sein Vorgänger als Generalsekretär der UPC (Union des Populations Camerounaises), Ruben Um Nyombé, war schon am 13.9.1958 ermordet worden.

1961
17.1. - Ermordung des Kongolesischen Ministerpräsidenten Patrice Lumumba nach einem von der CIA unterstützten Putsch.
20.1. - John F Kennedy wird Präsident der USA. Im Mai gibt er Auftrag, die Militärhilfe an Südvietnam drastisch zu erhöhen und 2000 Counterinsurgency-Berater zu entsenden. Im Versuch, die neugegründete Nationale Befreiungsfront FLN ("Vietcong") zu isolieren, werden in Südvietnam innerhalb von zwei Jahren 13 Millionen Menschen in Konzentrationslager ("Strategic Hamlets") umgesiedelt, ihre Dörfer und Felder verwüstet.
4.2. - Anfang des bewaffneten Kampfs in Angola mit einer Gefangenenbefreiung in San João durch die MPLA.
17.-19.4. - Eine von CIA Söldnern versuchte Invasion Kubas schlägt fehl.
4.5. - Anfang der "Freedom Rides" in den USA zur Abschaffung der Rassentrennung.
19.7. - Versuchter Mordanschlag auf Jean-Paul Sartre in Paris. Ein zweiter Versuch wird am 7.1.1962 unternommen.
18.9. - In London beteiligen sich Tausende an einem von Bertrand Russell organisierten Sitzstreik vor dem Verteidigungsministerium, um gegen die Atomrüstung zu protestieren.
6.11. - "Unvereinbarkeitsbeschluss". Wegen der Teilnahme des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes an den Kampagnen gegen die Atomrüstung wird der SDS aus der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands ausgeschlossen und die Mitgliedschaft in SPD und SDS für unvereinbar erklärt.
8.12. - Frantz Fanon stirbt, einige Tage nach der Veröffentlichung seines Buchs "Die Verdammten dieser Erde", das zu einem der wichtigsten Texte für die revolutionären Kämpfe des 20. Jahrhunderts wird.

1962
15.6. - Die Students for a Democratic Society, SDS, geben in Port Huron, Michigan, ihre "Port Huron Erklärung" ab, in der die Rassentrennung angegriffen und mehr demokratische Mitbestimmung gefordert wird.
25.6. - Anfang des bewaffneten Kampfs in Mosambik mit der Gründung der Frelimo.
5.7. - Unabhängigkeit Algeriens.
5.8. - Nelson Mandela, Führer des bewaffneten Arms des ANC, Umkhonto we Sizwe, wird verhaftet. In 1969 wird versucht, ihn fliehen zu lassen, um ihn "auf der Flucht" erschiessen zu können. Mehrere Male wird ihm angeboten, seine Freilassung mit der Abschwörung vom bewaffneten Kampf zu erkaufen. Erst am 11.2.1990 wird er aus dem Gefängnis kommen, als das südafrikanische Apartheidsregime vor der Auflösung steht.
1.9. - Anfang des bewaffneten Kampfs in Eritrea mit der Bildung der Eritrean Liberation Front (ELF).

1963
23.1. - Anfang des bewaffneten Kampfs in Guinea-Bissau mit einem Angriff der PAIGC auf die portugiesische Militärkaserne von Tite.
28.8. - Der "Marsch nach Washington", wo 200.000 bis 300.000 Demonstranten unter anderem neue Bürgerrechtsgesetze fordern. Auf der Kundgebung in Washington hält Martin Luther King seine berühmte "Ich habe einen Traum" Rede.
22.11. - John F Kennedy wird ermordet, Lyndon B Johnson wird Präsident der USA. Robert McNamara bleibt Verteidigungsminister und ernennt in 1964 den General William Westmoreland zum Oberbefehlshaber der US- Streitkräfte in Vietnam. Aus Anlass des Präsidentenwechsels erscheint in München und Westberlin das erste Flugblatt der von der Situationistischen Internationalen inspirierten Gruppe "Subversive Aktion".

1964
28.5. - Gründung der palästinensischen Befreiungsorganisation PLO.
5.8. - Erster Grossangriff der US-Navy gegen Nordvietnam. Die nordvietnamesische Kriegsmarine wird zerstört und die USA sehen sich in der Annahme bestätigt, dass die Sowjetunion und China sich vom Konflikt in Vietnam abseits halten.
12.-18.12. - Der Ministerpräsident des Kongo, Moise Tschombé, wird bei seinen Besuchen in München, Düsseldorf und Westberlin von Studenten mit Eiern und Tomaten beworfen.

1965
3.1. - Die palästinensische Organisation Al Fatah führt ihre ersten Guerilla-Aktionen gegen Israel durch.
7.2. - Anfang der "Operation Rolling Thunder", der fast täglichen Bombardierung Nordvietnams durch die US-Bomberflotte. In Südvietnam werden zunehmend Phosphorbomben und Napalm eingesetzt. Im Jahr 1965 werden nach Angaben des Pentagon 25.000 Bomberflüge über Vietnam und Laos geflogen.
21.2. - In New York wird einer der Führer der Afro-Amerikaner in den USA, Malcolm X, ermordet.
1.4. - Ernesto Che Guevara taucht unter, um sich dem antiimperialistischen Kampf zu widmen. Sechs Monate lang führt er eine Guerillagruppe im Kongo, später kämpft er ein Jahr in Bolivien.
17.4. - In einem vom SDS organisierten "Marsch auf Washington" demonstrieren 25.000 Menschen gegen den Vietnamkrieg.
28.4. - Landung von 22.500 US-Marines in der Dominikanischen Republik. Um eine "kommunistische Machtsübernahme" zu verhindern, werden innerhalb eines Jahres 6.000 bis 10.000 Zivilisten getötet.
11.-16.8. - Bei Aufständen im Watts Ghetto von Los Angeles sterben 34 Menschen.
25.8. – Bombenanschlag auf den deutsche Chemiekonzern Bayer in Uruguay wegen seiner Beteiligung am Vietnamkrieg. Es ist die erste Aktion der Tupamaros, die als eine der ersten Bewegungen eine Stadtguerilla entwickelt.
1.10. - Anfang eines von der CIA unterstützten Putsches und eines antikommunistischen Massakers in Indonesien, in dem innerhalb von sechs Monaten eine Million Menschen ermordet werden.
29.10. - Ermordung Mehdi Ben Barkas in Paris in einer gemeinsamen Aktion des marokkanischen Geheimdienstes, der CIA und des Mossads. Ben Barka war verantwortlich für die Vorbereitung der Trikontinentalen Konferenz im Januar 1966.
27.11. - In einem erneuten "Marsch auf Washington" demonstrieren 40.000 Menschen gegen den Vietnamkrieg.

1966
3.-15.1. - Trikontinentale Konferenz in Havana, Erweiterung der Organisation für die Solidarität der Völker Afrikas und Asiens auf den Lateinamerikanischen Kontinent (OSPAAAL). Amilcar Cabral hält eine Rede über "Die Waffe der Theorie".
26.3. - In New York demonstrieren 100.000 Menschen gegen den Vietnamkrieg. Im Jahr 1966 nehmen die Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg in der ganzen Welt zu.
16.5. - Beginn der Kulturrevolution in China.
16.6. - In Greenwood, Mississippi, hält Stokely Carmichael einen Speech mit der berühmtgewordenen Forderung nach Black Power.
30.6. - In Nordvietnam konzentriert die US-Bomberflotte sich auf die Zerstörung des Deich- und Bewässerungssystems des Roten Flussdeltas und der Versorgungsanlagen Hanois und Haiphongs. Zum ersten Mal werden dazu die strategischen B-52 Bomber eingesetzt, die ab Ende August täglich Einsätze fliegen werden. Im Jahr 1966 werden nach Angaben des Pentagon 79.000 Bomberflüge über Vietnam geflogen.
15.10. - Mit einem 10-Punkte Programm wird in den USA die Black Panther Party gegründet.
1.12. - In Bonn bildet sich die Grosse Koalition aus CDU und SPD.
10.12. - Zum Abschluss der vom SDS organisierten Vietnamwochen fordert Rudi Dutschke zur Bildung einer ausserparlamentarischen Opposition auf.

1967
19.2. - Gründung der Kommune I in Westberlin.
5.4. - Verhaftungen und Medienhetze angesichts eines von der Kommune I geplanten "Pudding-Attentats" gegen den Besuch des US-amerikanischen Vizepräsidenten Hubert Humphrey in Westberlin.
15.4. - Unter der Führung von Martin Luther King demonstrieren mehr als 350.000 Menschen mit dem "Marsch auf New York" gegen den Vietnamkrieg. In der ganzen Welt kommt es in 1967 zu Demonstrationen gegen den US-Imperialismus.
16.4. - Veröffentlichung einer Botschaft von Ernesto Che Guevara an die Tricontinentale zur Schaffung von "zwei, drei, viele Vietnams".
18.4. - Boxweltmeister Cassius Clay, alias Muhammad Ali, verweigert wegen des Vietnamkriegs den Wehrdienst. Seine Boxlizenz wird ihm bis 1970 entzogen.
21.4. - Putsch der Obristen in Griechenland, Errichtung einer von der NATO unterstützten Militärdiktatur.
2.-10.5. - Erste Sitzung des Russell-Tribunals in Stockholm, das Kriegsverbrechen der USA in Vietnam untersucht. Zu den Mitgliedern gehören Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Vladimir Dedijer, Lelio Basso, Stokely Carmichael, Isaac Deutscher, Laurent Schwartz, Peter Weiss, James Baldwin, Wolfgang Abendroth und andere.
30.5. - Anfang des Biafra-Krieges.
2.6. - Bei einer Demonstration gegen den Besuch des Schahs von Persien werden Demonstranten von "Jubelpersern" und der Polizei brutal zusammengeschlagen. Benno Ohnesorg wird von einem Polizisten erschossen. Der Polizist, Karl-Heinz Kurras, wird zuerst freigesprochen, dann zu einer Gefängnisstrafe verurteilt von der er vier Monate absitzt. Er bleibt in Polizeidienst und bekommt auf seiner Bitte aus Angst vor Rache, als in 1971 Petra Schelm erschossen wird, seine Dienstpistole wieder.
5.-10.6. - Im "Sechstagekrieg" annektiert Israel den Gazastreifen, Ostjerusalem und Teile Syriens und Jordaniens.
15.-30.7. - Auf dem Kongress "Dialectics of Liberation" in London wird zwei Wochen lang über Möglichkeiten des antiimperialistischen Widerstands diskutiert. Sprecher: David Cooper, Ronald Laing, Herbert Marcuse, Paul Sweezy, Stokely Carmichael, Julian Beck, Allen Ginsberg und andere.
23.7. - Antikriegsdemonstrationen führen zu einem Aufstand in Newark. Beim Einsatz der Nationalgarde werden 27 Menschen getötet und 1.100 verletzt. Es folgen Aufstände in mehr als 50 Städten. In den "12th Street Riots" in Detroit werden 43 Menschen getötet und 2.000 verletzt.
31.7.-10.8. - Erste Konferenz der Lateinamerikanischen Solidaritäts Organisation (OLAS) in Havana. Im Bruch mit den pro-Sowjetischen kommunistischen Parteien spricht die Konferenz ihre Unterstützung aus für den bewaffneten Kampf. Stokely Carmichael wird als Ehrengast empfangen.
9.10. - Ermordung Ernesto Che Guevaras in Bolivien.
21.10. - Vor dem Pentagon bei Washington demonstrieren 250.000 Menschen gegen den Vietnamkrieg. In Westberlin werden Flugblattraketen auf das Gelände der US-Armee geschossen, in denen die Soldaten aufgefordert werden, angesichts des Vietnamkriegs zu desertieren. Bei einem Anschlag auf das Westberliner Amerikahaus zündet der Sprengsatz nicht. Im Jahr 1967 werden nach Angaben des Pentagon 108.000 Bomberflüge über Vietnam geflogen.
30.11. - Die britischen Kolonialtruppen ziehen früher als geplant aus dem Südjemen ab, nachdem die Befreiungsbewegung NLF ihren Guerillakampf auf die Stadt Aden ausgeweitet hat.

1968
30.1. - Die südvietnamesische Befreiungsfront FLN begint ihre Tet-Offensive. Die Kämpfe dauern zwei Monate und erzwingen die Einsicht der US-Regierung, dass sie diesen Krieg nicht gewinnen kann. Präsident Johnson beschliesst, die Bombardierung Hanois einzustellen und seine Kandidatur für die Präsidentschaft aufzugeben. Im Jahr 1968 werden vom Pentagon mehrmals Forderungen erhoben, Atombomben in Vietnam einzusetzen, und finden in der ganzen Welt Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg statt.
1.2. - In Brasilien gründen Carlos Marighella und Joaquim Ferreira die Stadtguerillagruppe ALN (Ação Libertadora Nacional).
17.-18.2. - In der Westberliner Technischen Universität wird der Internationale Vietnam Kongress gehalten. Unter den Sprechern befinden sich u.a. Giangiacomo Feltrinelli, Rudi Dutschke, Bahman Nirumand, Gaston Salvatore, Peter Weiss, Tariq Ali, Robin Blackburn, Erich Fried, Ernest Mandel, Ekkehart Krippendorff. Die Organisatoren werden von Informanten der Polizei vom Schiessbefehl informiert, den der US-Kommandeur von Berlin gegen die zum Kongress geplante Demonstration erlassen hat. Nach der Aufhebung des Demonstrationsverbots beteiligen sich rund 12.000 Menschen an der Abschlusskundgebung.
21.2. - Auf einer von Berliner Senat, DGB und Springer-Verlag organisierten Gegenkundgebung demonstrieren 80.000 Berliner gegen die Studentenbewegung und für die Vietnampolitik der US-Regierung. Mehrere als Studenten "Verdächtige" werden von Demonstranten zusammengeschlagen. In der Kundgebung werden Transparente mitgetragen mit Parolen wie "Dutschke Volksfeind Nummer Eins" und "Berlin darf nicht Saigon werden".
3.4. - In der Nacht explodieren in zwei Frankfurter Kaufhäusern Brandsätze. Die Aktion ist gedacht als Protest gegen die weitverbreitete Gleichgültigkeit gegenüber dem Vietnamkrieg. Am 31.10.1968 werden dafür Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Thorwald Proll und Horst Söhnlein zu je drei Jahren Gefängnis verurteilt. Am 4.2.1970 tauchen Andreas Baader und Gudrun Ensslin unter. Andreas Baader wird am 4.4.1970 verhaftet und am 14.5.1970 aus der Haft befreit.
4.4. - Die Ermordung Martin Luther Kings löst Revolten in 125 US-amerikanischen Städten aus. In tagelangen Auseindersetzungen werden 21.000 Soldaten und 34.000 Nationalgardisten eingesetzt. Bilanz: 46 Tote, 2.600 Verletzte, 21.000 Verhaftete.
6.4. - Black Panther Mitglied Bobby Hutton wird von der Polizei in Oakland erschossen.
11.4. - Mordanschlag auf Rudi Dutschke. In Westberlin kommt es zur "Springer-Blockade". In mehreren Städten Westdeutschlands und Europas werden Aktionen gegen Springer und schwere Auseinandersetzungen mit der Polizei geführt. In München kommen dabei ein Demonstrant und ein Pressefotograf ums Leben. Dutschke braucht Jahre, um sich von der Kopfverletzung wiederherzustellen. Am 24.12.1979 stirbt er trotzdem an den Folgen.
5.5. - In Saigon wird der Ständige Vertreter des Botschafters der Bundesrepublik, Hasso Freiherr Rüdt von Collenberg, von der FLN erschossen.
6.5. - Nach mehreren Wochen eines schwelenden Konflikts an der Universität von Nanterre kommt in Paris eine erste grössere Demonstration der Studenten zustande. Nach der berühmten "Nacht der Barrikaden" des 10.5. und einer Reihe von Streiks im ganzen Land wird am 13.5. ein 24-Stündiger Generalstreik abgehalten. Eine Demonstration von einer Million Arbeitern, Studenten und Schülern in Paris führt zur Besetzung der Sorbonne Universität. Zwei Wochen lang wird von etwa zehn Millionen Arbeitern gestreikt. Fabriksbesetzungen und Demonstrationen dauern bis Mitte Juni. In der ganzen Welt kommt es in den Monaten Mai bis August 1968 zu Massendemonstrationen, Strassenschlachten, Universitäts- und Fabriksbesetzungen.
11.5. - In Bonn demonstrieren 70.000 Menschen gegen die Notstandsgesetze. Diese werden am 30.5. vom Bundestag verabschiedet.
23.7. - Auf dem Weg von Rom nach Tel Aviv entführt die PFLP (People's Front for the Liberation of Palestine) zum ersten Mal ein El Al Flugzeug und leitet es nach Algerien um. Es gelingt ihr, im Austausch gegen die israelischen Passagiere mehrere Palästinenser aus israelischer Haft zu befreien.
5.8. - In Los Angeles werden die Black Panther Mitglieder Steve Bartholemew, Robert Lawrence und Tommy Lewis von der Polizei erschossen.
21.8. - In Prag bereiten Truppen des Warschauer Pakts dem "Prager Frühling" ein Ende.
26.-29.8. - Während des Parteikonvents der Demokratischen Partei in Chicago werden Demonstranten von der Polizei brutal zusammengeschlagen.
13.9. - In einer Rede auf der 23. Delegiertenkonferenz des SDS in Frankfurt wird das Konzept des Aktionsrats zur Befreiung der Frauen dargestellt. Als die Konferenz ohne Diskussion zur Tagesordnung übergehen will, wird eine Tomate geschmissen. In den nächsten Monaten werden in der ganzen Bundesrepublik Aktions- und Weiberräte gegründet.
26.9. - In Essen wird die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) gegründet.
2.10. - In Mexiko-Stadt werden von Militäreinheiten bei einer Demonstration 300 Studenten und Umstehende erschossen. Während der darauffolgenden Olympischen Spiele ballen zwei der Medaillen-Gewinner im 200-m-Lauf, Tommie Smith und John Carlos, die Faust zum Black Power Gruss. IOC-Präsident Avery Brundage weist sie sofort aus dem Olympischen Dorf aus.
4.11. - In Westberlin spitzt sich die Wut der Studenten in der "Schlacht am Tegeler Weg" zu, als ein Ehrengerichtsverfahren gegen Rechtsanwalt Horst Mahler eingeleitet wird wegen dessen Teilnahme an der "Springer-Blockade".
8.11. - Beate Klarsfeld ohrfeigt Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger um auf seine NSDAP-Vergangenheit hinzuweisen. In einem Schnellverfahren wird sie zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

1969
20.1. - Richard M Nixon wird Präsident der USA. Sein Sicherheitsberater wird Henry Kissinger, sein Verteidigungsberater Donald Rumsfeld.
24.1. - Nach Universitätsbesetzungen in Barcelona und Madrid wird in Spanien der Ausnahmezustand verhängt. Mehr als 1000 Studenten werden verhaftet.
30.1. - Der Führer der mosambikanischen Befreiungsbewegung Frelimo, Eduardo Mondlane, wird vom portugiesischen Arm der NATO-Geheimorganisation Gladio ermordet. Sein Nachfolger, Samora Machel, wird am 19.10.1986 in einem ungeklärten Flugzeugabsturz an der südafrikanischen Grenze sterben.
26.2. - Versuchter Sprengstoffanschlag zum Besuch Richard Nixons in Westberlin. Gegen seinen Besuch sowie gegen eine US Militärparade drei Monate später wird zwar heftig aber nur noch von wenigen demonstriert.
April - Die Anzahl der US-Truppen in Vietnam hat mit 543 400 den höchsten Stand in der Geschichte des Vietnam-Kriegs erreicht.
20.6. - Nach Spaltungen im US-amerikanischen SDS bildet sich die Gruppe Weathermen, später Weather Underground. Im Dezember wird sie in den Untergrund gehen und den bewaffneten Kampf aufnehmen.
15.-21.7. - "Rote Knastwoche" und "Knastcamp" in Ebrach bei Nürnberg.
27.7. - Sieben Kriegsdienstverweigerer der Bundeswehr, die aufgrund des Sonderstatus von Westberlin dort ihren Zuflucht finden konnten, werden nach ihrer Verhaftung in einer Nacht-und-Nebel Aktion in die Bundesrepublik abgeschoben.
12.-15.8. - Straßenschlachten in Derry in Nordirland führen zu einer Teilung in der IRA und der Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfs durch die Provisional IRA.
29.8. - Auf dem Weg von Rom nach Athen wird ein TWA Flugzeug von einem von Leila Khaled geführten PFLP Kommando entführt und über Haifa nach Damaskus umgeleitet. Das Flugzeug wird gesprengt und die Passagiere gegen syrische Kriegsgefangene in Israel ausgetauscht.
2.9. - Der vietnamesische Präsident Ho Chi Minh stirbt.
2.9. - In der Bundesrepublik brechen spontane Streiks aus im Bergbau und in der Metall-, Energie- und Automobilindustrie.
6.9. - Vier Flugzeuge werden von der PFLP entführt. Drei Maschinen werden auf einem Flugplatz bei Amman gesprengt. Die Entführung einer El Al Maschine auf dem Weg von Amsterdam nach New York endet mit der Erschiessung des Nicaraguaners Patrick Arguello und der Verhaftung von Leila Khaled in London. Khaled wird weniger später mit einer weiteren Flugzeugentführung durch die PFLP befreit. Im ganzen Jahr 1969 führen palästinensische Organisationen etwa 3.000 Guerilla-Aktionen gegen Israel durch.
8.-11.10. - Mit der Parole "Bring the War Home" organisieren die Weathermen in Chicago eine Strassenschlacht. Während der vier "Days of Rage" stirbt ein Student in den Auseinandersetzungen mit der Polizei.
21.10. - In Bonn bildet sich eine Koalitionsregierung aus SPD und FDP, mit Willy Brandt als Bundeskanzler.
3.11. - US-Präsident Nixon hält eine Rede in der er bestätigt, dass es spätestens seit März 1969 eine Politik der "Vietnamisierung" des Konflikts in Vietnam gibt. Diese würde der stufenweise Rückzug der US-Truppen und die entsprechende Übertragung von Verantwortlichkeiten an die südvietnamesische Armee beinhalten. Er spricht nicht vom Phoenix Programm, unter dem etwa 30.000 vermeintliche Kader der FLN aufgespürt und ermordet werden.
4.11. - In São Paulo wird Carlos Marighella von der Polizei erschossen. Im Jahr darauf wird sein "Handbuch des Stadtguerillero" in mehreren Sprachen veröffentlicht.
12.11. - Der Journalist Seymour Hersh bringt das Massaker in My Lai vom März 1968 an die Öffentlichkeit.
15.11. - "National Mobilisation To End The War": mehr als 1 Million Demonstranten in Washington, 100.000 in San Francisco.
4.12. - In Chicago werden die Black Panther Mitglieder Fred Hampton und Mark Clark bei einer Aktion der Polizei und des FBI in ihrem Schlaf erschossen.
12.12. - Auf dem Höhepunkt der Arbeiterkämpfe des italienischen "Heissen Herbstes" werden auf vier Banken in Rom und Mailand Sprengstoffanschläge verübt. Bei der Explosion in der Mailänder Landwirtschaftsbank werden 16 Menschen getötet und 84 verletzt. In einer riesigen Medienkampagne wird die Linke für die Anschläge verantwortlich gemacht. Am 15.12. "fällt" der beschuldigte Anarchist Pinelli aus dem Fenster des Büros vom Hauptkommissar Calabresi. Erst Jahre später wird bekannt, dass die Anschläge im Rahmen der "Strategie der Spannung" von Geheimdiensten verübt worden sind, die der NATO-Geheimorganisation Gladio unterstanden.

1970
12.2. - In Heidelberg wird das Sozialistische Patientienkollektiv (SPK) gegründet mit der Parole "Aus der Krankheit eine Waffe machen."
21.3. - In der Bundesrepublik löst sich der SDS-Bundesvorstand auf.
Die letzte SDS-Gruppe in Heidelberg wird am 24.6. vom baden-württembergischen Innenministerium verboten.
31.3. - In Guatemala wird der Botschafter der Bundesrepublik, Karl Graf von Spreti, von der Guerillabewegung FAR entführt. Nachdem die Forderung nach Freilassung von Gefangenen aus den FAR nicht nachgegeben wird (wahrscheinlich weil sie von der Regierung schon vorher getötet worden sind), wird er am 5.5. erschossen.
30.4. - Präsident Nixon verkündet die US-Invasion in Kambodscha. Es kommt zu weltweiten Protesten und landesweiten Demonstrationen.
4.5. - Bei einer Demonstration an der Kent State Universität in Ohio erschiesst die US-Nationalgarde 4 Studenten.
14.5. - Bei einer Demonstration an der Jackson State Universität in Mississippi erschiesst die Polizei 2 Studenten.
14.5. - Im Zentralinstitut für Soziale Fragen in Westberlin wird Andreas Baader aus der Gefangenschaft befreit. Der Institutsangestellte Georg Linke wird durch eine Kugel verletzt. In den darauffolgenden Wochen erscheinen zwei Erklärungen in der Zeitschrift Agit 883 mit der Parole "Die Rote Armee aufbauen!"
20.5. - In Bonn wird ein von der SPD als Wahlversprechen angekündigtes "Straffreiheitsgesetz" erlassen. Unter dieser Amnestie fallen Tausende, die für "Demonstrationsdelikte" mit bis zu neun Monaten Haft verurteilt worden waren.
8.6. - Die Ersten aus der späteren RAF reisen nach Jordanien für eine militärische Ausbildung von zwei Monaten.
7.8. - In Kalifornien wird Jonathan Jackson, Bruder des "Soledad Brother" und Black Panther Mitglieds George Jackson, bei einer Geiselnahme zur Befreiung der "Soledad Brothers" von der Polizei zusammen mit den Geiseln erschossen. Wegen des Verdachts, dazu eine Waffe zur Verfügung gestellt zu haben, wird ein Verfahren gegen Angela Davis eingeleitet. Sie wird später freigesprochen.
15.9. - Bildung der Roten Brigaden (Brigate Rosse, BR) in Italien. Erste bewaffnete Aktionen gegen Vormänner und Spitzel bei Fiat, Siemens und Pirelli.
17.9. - Anfang des "Schwarzen September" Massakers in Jordanien. Für den Fall, dass die jordanische Armee versagt, zieht Israel seine Armee an der Grenze zusammen, während die US-Navy 12.000 Fallschirmjäger bereitstellt und die Sechste Flotte in Gefechtsbereitschaft versetzt. Zwischen 4.000 und 10.000 Palästinenser werden von der jordanischen Armee getötet.
19.9. - Im Frankfurter Westend findet eine der ersten Häuserbesetzungen statt. Obwohl es auch in anderen Städten ab 1969 Hausbesetzungen gibt, spitzt sich der Kampf in den Jahren 1973 und 1974 vor allem in Hamburg und Frankfurt zu.
29.9. - In Westberlin werden drei Banken zur Finanzierung des Untergrunds überfallen.
8.10. - In Westberlin werden als erste aus der RAF Ingrid Schubert, Brigitte Asdonk, Monika Berberich, Irene Goergens und Horst Mahler verhaftet. Monate später werden sie zu 6 1/2 bis 14 Jahren Haft verurteilt.
Nov 16, 21 - Burglaries at two City Halls yield passports, ID cards and official stamps.
16., 21.11. - Einbrüche in zwei Rathäusern ergeben eine menge Pässe, Ausweise und Stempel.
22.12. - Verhaftung von Ali Jansen und Ulrich Scholze in Nürnberg.

1971
15.1. - In Kassel werden zwei Banken von der RAF überfallen.
1.4. - In Hamburg erschiesst ELN-Mitglied Monika Ertl einen der Verantwortlichen für den Tod Che Guevaras, den bolivianischen Konsul Roberto Quintanilla Pereira.
24.4.-6.5. - Nach Antikriegsdemonstrationen wird über die Hauptstadt Washington das Kriegsrecht verhängt. Mehr als 12.000 Demonstranten werden verhaftet.
1.5. - Auf 1.Mai-Kundgebungen wird die erste RAF-Zeitung, "Das Konzept Stadtguerilla", verteilt.
6.5. - In Hamburg wird Astrid Proll verhaftet. Wenig später kommt sie als erste in den Toten Trakt des Gefängnisses Köln-Ossendorf.
13.6. - Die New York Times fängt an, die geheimen Pentagon Papers zu veröffentlichen, die die Glaubwürdigkeit der offiziellen Politik der US-Regierung in Vietnam weiter infragestellen.
21.6. - Helmut Pohl wird verhaftet. In 1973 wird er zum ersten Mal aus der Haft entlassen.
24.6. - Polizeiaktion gegen das SPK, mehrere Durchsuchungen und Verhaftungen, die am 19. und 20.7. fortgesetzt werden.
13.7. - Das SPK wird aufgelöst.
15.7. - In Hamburg wird Petra Schelm im Rahmen der ersten Grossfahndung gegen die RAF, der besonders auf Ulrike Meinhof gerichteten "Aktion Kora", erschossen. Werner Hoppe wird verhaftet.
21.8. - George Jackson wird im San Quentin Gefängnis bei einem angeblichen "Fluchtversuch" erschossen.
1.9. - Horst Herold wird Präsident des Bundeskriminalamts.
9.-13.9. - Gefangenenrevolte im New Yorker Attica Gefängnis, 43 Gefangene werden von der Polizei erschossen.
22.10. - In Hamburg wird der Zivilfahnder Norbert Schmid erschossen beim Versuch, drei Verdächtige zu überprüfen.
Margrit Schiller wird festgenommen. Der Schütze, Gerhard Müller, entkommt. Als er später "Kronzeuge" der Bundesanwaltschaft wird, werden im Tausch die Ermittlungen zum Tod Schmids niedergeschlagen.
28.11. - In Kairo erschiesst die palästinensische Organisation "Schwarzer September" den jordanischen Ministerpräsidenten Wasfi Tall. Drei Wochen später verwundet sie in London den jordanischen Botschafter Zaid Rifai durch Schüsse.
4.12. - In Westberlin wird Georg von Rauch von der Polizei erschossen. Zwei Tage später wird das leerstehende Bethanienkrankenhaus in Kreuzberg besetzt und in Georg-von-Rauch-Haus umbenannt.
22.12. - Nach einem Banküberfall in Kaiserslautern durch die RAF wird der Polizist Herbert Schoner erschossen.

1972
Januar - Verschiedene militante Gruppen schliessen sich zur "Bewegung 2. Juni" zusammen.
28.1. - Unter Vorsitz des Bundeskanzlers Willy Brandt wird von der Innenministerkonferenz der "Radikalenerlass" beschlossen. Hiermit wird die politische Gesinnung von über 300.000 Bewerber und Angestellte im Öffentlichen Dienst überprüft.
30.1. - Bloody Sunday in Derry, Nord-Irland: 14 Menschen werden von der britischen Armee erschossen.
2.2. - Sprengstoffanschlag der Bewegung 2. Juni auf den Britischen Yachtclub in Westberlin. Im März und Mai folgen Aktionen gegen Polizei und Justiz.
6.2. - Der Schwarze September zerstört drei Öltanks der Gulf Oil in Holland. Am selben Tag erschiesst sie in der Bundesrepublik fünf Jordanier, die der Kollaboration mit Israel beschuldigt werden. Zwei Tage später verübt sie einen Sprengstoffanschlag auf eine Hamburger Fabrik, die Motoren für Israel herstellt. Am 22.2. zerstört sie eine Ölleitung der Firma Exxon bei Hamburg.
21.2. - In Ludwigshafen wird eine Bank von der RAF überfallen.
1.3. - In Herrenberg bei Tübingen wird bei einer Verfolgungsjagd im Rahmen der RAF-Fahndung der 17-jährige Lehrling Richard Epple von der Polizei erschossen.
2.3. - In Augsburg wird Thomas Weissbecker von einem Fahnder des LKA erschossen. Carmen Roll wird verhaftet.
3.3. - In Hamburg werden Manfred Grashof und Wolfgang Grundmann verhaftet. Bei einer Schiesserei wird Manfred Grashof verletzt und stirbt der Kriminalhauptkommissar Hans Eckhardt.
14.3. - In der Nähe von Mailand wird Giangiacomo Feltrinelli, Verleger und Gründer der GAP (Partisanen Aktionsgruppe), unter ungeklärten Umständen von einer vorzeitig entzündeten Bombe getötet.
1.5. - Auf 1.Mai-Kundgebungen wird die zweite RAF-Zeitung, "Stadtguerilla und Klassenkampf", verteilt.
11.5. - Sprengstoffanschlag auf das Hauptquartier des V. Corps der US-Armee in Frankfurt durch das Kommando Petra Schelm der RAF. Der US-Offizier Paul Bloomquist wird getötet, 13 Soldaten werden verletzt.
12.5. - Sprengstoffanschläge auf das Polizeipräsidium Augsburg und das bayerische Landeskriminalamt in München durch das Kommando Thomas Weissbecker der RAF. Fünf Polizisten werden verletzt.
15.5. - Sprengstoffanschlag des Kommandos Manfred Grashof der RAF auf das Auto des Bundesrichters Wolfgang Buddenberg in Karlsruhe. Dessen Frau wird verletzt.
19.5. - Die Weather Underground verüben einen Bombenanschlag auf das Pentagon nachdem die USA die Häfen von Nordvietnam vermint und die Bombardierungen ländlicher Gebiete intensiviert haben.
19.5. - In Hamburg werden bei einem Sprengstoffanschlag des Kommandos 2. Juni der RAF auf dem Springer-Hochhaus 17 Angestellte verletzt.
24.5. - Sprengstoffanschlag auf das europäische Hauptquartier der 7. US-Armee in Heidelberg durch das Kommando 15. Juli der RAF. Drei US-Soldaten werden getötet, fünf verletzt.
31.5. - Das BKA veranlasst die grösste bundesweite Fahndungsaktion, "Aktion Wasserschlag".
31.5. - Auf einem Teach-in der Roten Hilfe in Frankfurt wird eine Tonbanderklärung von Ulrike Meinhof abgespielt.
1.6. - In Frankfurt werden Jan Raspe, Holger Meins und Andreas Baader verhaftet. Bei einer Schiesserei wird Andreas Baader verletzt.
2.6. - Grossalarm in Stuttgart nachdem in einer gross angelegten Kampagne eine gefälschte Erklärung vom 27.5. verbreitet worden war, derzufolge die RAF drei Autobomben in der Stadt hochgehen lassen würde. Das Dementi der RAF vom 29.5. wird in den Medien unterschlagen.
7.-15.6. - Verhaftung von Gudrun Ensslin in Hamburg, von Brigitte Mohnhaupt und Bernhard Braun in Westberlin, von Ulrike Meinhof und Gerhard Müller in Hannover.
25.6. - Im Rahmen der RAF-Fahndung wird in Stuttgart der britische Handelsvertreter Ian McLeod von der Polizei erschossen.
29.6. - Die wegen Unterstützung der RAF gesuchte Katharina Hammerschmidt stellt sich der Polizei. Sie stirbt am 29.6.1975 in einem Westberliner Krankenhaus an einem Tumor, nachdem dieser in der Haft bis Januar 1974 nicht rechtzeitig behandelt worden war.
9.7. - Verhaftung von Irmgard Möller und Klaus Jünschke in Offenbach.
26.7. - In Hamburg wird Werner Hoppe zu 10 Jahren Haft verurteilt.
5.8. - Mit einem Sprechstoffanschlag zerstört der Schwarze September eine Ölumschlagstelle in Triest.
5.9. - In München werden elf Mitglieder der israelischen Olympia-Mannschaft von einem Kommando des Schwarzen September als Geiseln genommen. Anstatt der Forderung nach Freilassung von Gefangenen aus israelischen Gefängnissen nachzugeben, findet ein Täuschungsmanöver auf dem Flugplatz Fürstenfeldbruck statt, bei dem die Geiseln und ein Polizist getötet werden. Drei der acht Mitglieder des Schwarzen September überleben und werden mit einer Flugzeugentführung am 29.10. aus der Haft befreit. Als "Vergeltung" für die Aktion in München bombardiert die israelische Luftwaffe am 8.9. zehn palästinensische Flüchtlingslager in Jordanien. Am 16.9. verwüsten drei israelische Panzerkolonnen mehr als zehn Dörfer im Südlibanon. Am 24.10. fängt der israelische Nachrichtendienst Mossad eine Serie von Anschlägen mit Briefbomben an, bei der zahlreiche Palästinenser sterben oder schwer verletzt werden. In den nächsten zwanzig Jahren tötet eine Sonderabteilung des Mossad etwa 25 der wichtigsten Palästinenserführer.
26.9. - Bildung der Sondereinheit GSG9 des Bundesgrenzschutzes.
3.10. - Die Bundesregierung verbietet die Generalunion Palästinensischer Arbeiter (GUPA) und die Generalunion Palästinensischer Studenten (GUPS). Gegen hunderte Palästinenser wird ermittelt, viele werden ausgewiesen.
November - Verteilung der dritten RAF-Zeitung, "Die Aktion des Schwarzen September in München - Zur Strategie des antiimperialistischen Kampfes."
8.12. - In Israel wird die Verhaftung von etwa 100 Mitgliedern einer illegalen Gruppe bekanntgegeben, die sich "Gemeinsame Organisation von Juden und Arabern" nennt. Für Kontakte mit palästinensischen Organisationen werden sie gefoltert und zu bis zu 17 Jahren Gefängnis verurteilt.

1973
17.1.-16.2. - Erster Hungerstreik der Gefangenen aus der RAF. 40 politische Gefangene fordern die Aufhebung der Isolationshaft und die Aufhebung des Toten Trakts in Köln-Ossendorf. Fünf Tage lang, vom 9.2. bis zum 14.2., wird Andreas Baader das Trinkwasser entzogen. Ulrike Meinhof wird am 9.2. aus dem Toten Trakt in eine andere Zelle verlegt.
20.1. - In Guinea-Bissau wird der Führer der PAIGC, Amilcar Cabral, mit Hilfe des portugiesischen Geheimdienstes PIDE ermordet.
9.-12.2. - Solidaritätshungerstreik von Rechtsanwälten der politischen Gefangenen vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe.
8.5.-29.6. - Zweiter Hungerstreik. 80 politische Gefangene fordern die Aufhebung der Isolationshaft. Zehn Tage lang, vom 24.5. bis zum 4.6., wird Andreas Baader das Trinkwasser entzogen. In mehreren Städten werden "Komitees gegen die Isolationsfolter" gegründet.
23.5. - Die gewaltsame Räumung des besetzten Hauses Eckhoffstraße 39 in Hamburg durch ein Mobiles Einsatzkommando der Polizei und die anschliessende Kriminalisierung der Hausbesetzer führt zu einem Einschnitt im Häuserkampf.
13.7. - Auf Antrag der Bundesanwaltschaft wird bei Ulrike Meinhof eine Szintigraphie des Gehirns angeordnet, bei Widerstand unter Zwangsnarkose. Der Antrag wird am 28.8. nach zahlreichen öffentlichen Protesten zurückgezogen.
16.7. - Erste Zellendurchsuchung des Bundeskriminalamts bei den Gefangenen aus der RAF.
24.7. - Verhaftung von Ron Augustin in Lingen.
11.9. - In Chile wird bei einem vom General Pinochet geführten Putsch der Präsident Salvador Allende ermordet. In den nächsten sieben Jahren werden mindestens 3.000 Menschen gefoltert und getötet.
6.-22.10. - Krieg Ägyptens und Syriens gegen Israel, Anfang eines fünfmonatigen Öl-Embargos das zur Umstrukturierung des internationalen Ölmarkts führen wird.
16.-17.11 - Die ersten Aktionen der Revolutionären Zellen (RZ) sind Anschläge auf zwei Zweigstellen des US-Konzerns ITT in Berlin und Nürnberg, wegen dessen Beteiligung am Putsch in Chile.
17.11. - In Athen werden nach einem Aufstand in der Polytechneion 24 Studenten getötet.
22.11. - In Westberlin wird Ali Jansen zu 10 Jahren Haft verurteilt.
20.12. - "Operation Ogro": mit einer ferngezündeten Bombe tötet in Madrid das Kommando Txikia der baskischen ETA den spanischen Ministerpräsidenten Luis Carrero Blanco, der als der rechte Hand des General Francos gilt.
21.12. - Ulrike Meinhof wird erneut in den Toten Trakt des Gefängnisses Köln-Ossendorf verlegt. Am 5.2.1974 wird Gudrun Ensslin in den Toten Trakt gebracht. Sie bleiben dort bis zu ihrer Verlegung nach Stammheim am 28.4.1974.

1974
4.2. - Verhaftung von Helmut Pohl, Ilse Stachowiak, Christa Eckes und Eberhard Becker in Hamburg, von Margrit Schiller, Kai Allnach und Wolfgang Beer in Frankfurt am Main, Axel Achterrath und Ekkehard Blenk in Amsterdam.
4.2. - Astrid Proll wird wegen Haftunfähigkeit freigelassen und taucht bis zu ihrer Wiederverhaftung am 15.9.1978 bei Freunden in England unter. Am 22.2.1980 wird sie zu fünfeinhalb Jahren verurteilt und endgültig freigelassen.
15.3.-28.5. - In den Medien werden Berichte verbreitet, nach denen die RAF geplant hätte, während der Fussballweltmeisterschaft Raketenanschläge auf Stadien zu verüben, sowie, Zyankali in das Trinkwasser einer Großstadt zu leiten. Die Drohungen werden im Prozess gegen Brigitte Mohnhaupt und Bernhard Braun von den Gefangenen aus der RAF dementiert.
25.4. - In Portugal wird das Regime des Diktators Caetano beendet durch einen Militärputsch, der als "Nelkenrevolution" bekannt wird. Zwischen dem 25.6. und 1.11.1974 werden die portugiesischen Kolonien unabhängig.
16.5. - Bundeskanzler Willy Brandt tritt zurück, sein Nachfolger wird Helmut Schmidt.
21.5. - Im Rahmen der RAF-Fahndung wird in München der Taxifahrer Günther Jendrian von der Polizei erschossen.
31.5. - Bundesanwalt Siegfried Buback löst Ludwig Martin ab als Generalbundesanwalt.
23.7. - Nach einem missglückten Putsch auf Zypern fällt das griechische Obristenregime. Am 13.12. wird in Griechenland die parlamentarische Republik wiederhergestellt.
9.8. - Nach dem Watergate-Skandal tritt US-Präsident Nixon zurück. Sein Nachfolger wird Gerald Ford. Am 8.9. verkündet Ford Straffreiheit für Nixon und eine beschränkte Amnestie für diejenigen die ihre Wehrpflicht während des Vietnamkriegs durch Flucht ins Ausland oder durch untertauchen entgangen sind. Diese Amnestie wird erst am 21.1.1977 vom neugewählten US-Präsidenten Jimmy Carter noch etwas ausgeweitet.
September (?) - In Westberlin werden Brigitte Mohnhaupt und Bernhard Braun zu je 4 1/2 Jahren Haft verurteilt.
13.9. - Dritter Hungerstreik, bis zum 5.2.1975. Die Hungerstreikerklärung wird von Ulrike Meinhof im Prozess wegen der Befreiung von Andreas Baader vorgelesen und erscheint zusammen mit ihrer Prozessrede und einem provisorischen Kampfprogramm für Gefangene als vierte RAF-Zeitung.
27.9. - In einer Erklärung von Monika Berberich für die Gefangenen aus der RAF wird Horst Mahler aus der RAF ausgeschlossen.
9.11. - Im Gefängnis von Wittlich stirbt Holger Meins im Hungerstreik. Zwei Tage später demonstrieren in Westberlin über 15.000 Menschen gegen den Tod von Holger Meins und zur Unterstützung des Hungerstreiks. Mehr als 5.000 Menschen wohnen seine Beerdigung am 18.11. bei. Tagelang gibt es aus Protest gegen seinen Tod mehr als 50 Demonstrationen und Strassenschlachten im Bundesgebiet und im Ausland.
10.11. - In Westberlin wird bei einem Entführungsversuch der Kammergerichtspräsident Günter von Drenkmann von einem Kommando der Bewegung 2. Juni erschossen.
13.11. - Nachdem der PLO von der UNO einen Beobachterstatus zuerkannt worden ist, hält Yasser Arafat seine erste Rede vor der UNO-Vollversammlung.
26.11. - Landesweite Fahndungsaktion mit zahlreichen Strassensperren und Hausdurchsuchungen.
29.11. - In Westberlin werden Horst Mahler zu 14 Jahren und Ulrike Meinhof zu acht Jahren Haft verurteilt.
7.12. - Bombenanschlag auf den Bremer Hauptbahnhof. Sowohl RAF als RZ distanzieren sich.

1975
27.1. - Bildung des Church Committee durch den US-Senat, um illegale Aktivitäten der CIA und anderer US-Geheimdienste zu untersuchen. Im Laufe des Jahres 1975 werden verschiedene von der CIA begangenen Morde und Mordversuche bekanntgemacht. Von der US-Regierung werden weitere Untersuchungskommissionen gebildet, die unter den Präsidenten Ford und Bush Senior bis 1980 zu einer Umstrukturierung der US-Geheimdienste führen.
17.2.-24.4. - Im Bückeburger Prozessbunker wird der Prozess gegen Ron Augustin im Schnellverfahren durchgezogen. Er wird zu sechs Jahren Haft verurteilt.
18.2. - Eine erste Bauplatzbesetzung in Whyl ist der Anfang einer breiten Anti-AKW Bewegung, die in den folgenden Jahren Massendemonstrationen in Brokdorf, Kalkar und Gorleben mit bis zu 100.000 Menschen mobilisiert.
27.2. - Entführung des Westberliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz durch die Bewegung 2. Juni. Im Austausch für Lorenz werden 5 Gefangene freigelassen.
13.4. - Anfang des Bürgerkriegs im Libanon, der bis mindestens 1991 dauern und die Politik der palästinensischen Befreiungsorganisation PLO massgeblich mitbestimmen wird.
22.4. - Rechtsanwalt Klaus Croissant wird vom Oberlandesgericht Stuttgart von der Verteidigung Andreas Baaders ausgeschlossen. Am 2.5. und 13.5. werden auch Kurt Groenewold und Hans-Christian Ströbele von der Verteidigung Andreas Baaders ausgeschlossen. Im November folgen weitere Ausschlüsse von Anwälten.
24.4. - Besetzung der deutschen Botschaft in Stockholm durch das Kommando Holger Meins, das die Freilassung von 26 Gefangenen aus der RAF fordert. Botschaftsrat Heinz Hillegaart und Militärattaché Baron Andreas von Mirbach werden erschossen. Die Bundesregierung geht nicht auf die Forderung ein. Beim Sturm auf die Botschaft kommt es zu einer Explosion, bei der das Kommando-Mitglied Ulrich Wessel getötet wird. Hanna Krabbe, Karl-Heinz Dellwo, Bernd Rössner und Lutz Taufer werden verhaftet. Siegfried Hausner wird durch polizeiliche Gewehrkolbenschläge schwer verletzt und stirbt am 4.5. im Stammheimer Gefängnis. Gleich nach Anfang der Botschaftsbesetzung werden den Gefangenen aus der RAF die Radios, Zeitungen und Kontakte mit der Aussenwelt gesperrt.
30.4. - Endgültiger Sieg der FLN in Vietnam nach ihrem Einzug in Saigon.
9.5. - Bei einer Schiesserei in Köln sterben Werner Sauber und der Polizist Walter Pauli. Karl-Heinz Roth und Roland Otto werden schwer verletzt verhaftet.
10.5. - Rechtsanwalt Siegfried Haag wird kurzzeitig verhaftet, Verteidigungsunterlagen zum Stammheimer Prozess werden beschlagnahmt. Am nächsten Tag beschliesst er, in den Untergrund zu gehen.
16.5. - Zum Auftakt des Stammheimer Prozesses werden in den Medien Berichte verbreitet, nach denen die RAF einen Giftanschlag auf den Bundestag planen würde.
21.5. - In Stuttgart-Stammheim beginnt der Prozess gegen Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof und Jan Raspe.
23.6. - Die Rechtsanwälte Klaus Croissant und Christian Ströbele werden verhaftet, ihre Kanzleien und Wohnungen und die der Rechtsanwältin Marieluise Becker durchsucht, und umfangreiches Verteidigungsmaterial zum Prozess in Stammheim beschlagnahmt. Die Verfahren gegen die Rechtsanwälte werden mit ihrer Öffentlichkeitsarbeit begründet. Einige Tage zuvor hatte Rechtsanwalt Croissant eine Pressekonferenz zum Tod von Siegfried Hausner organisiert.
2.9. - In Kaiserslautern beginnt der Prozess gegen Manfred Grashof, Klaus Jünschke und Wolfgang Grundmann.
13.9.-12.11. - Bombenanschläge auf die Hamburger, Nürnberger und Kölner Hauptbahnhöfe. Sowohl die RAF als die RZ distanzieren sich.
20.11. - Der spanische Diktator Franco stirbt. Eine dreijährige "Übergangsperiode vom Faschismus zur Demokratie" fängt an.
25.11. - Suriname wird unabhängig. Der Kolonialismus ist damit nicht beendet in der Welt.
16.-24.12. - Auf Weisung von BKA und Bundesanwaltschaft werden im ganzen Bundesgebiet Buchläden, Verlage, Druckereien und Wohngemeinschaften durchsucht und Bücher und Zeitschriften wegen "Verherrlichung von Gewalt" beschlagnahmt.

1976
8.1. - In China stirbt Ministerpräsident Zhou Enlai.
13.-14.1. - Erklärung zur Sache der Angeklagten im Stammheimer Prozess.
16.3. - In Hamburg werden Irmgard Möller und Gerhard Müller zu 4 1/2 bzw 10 Jahren Haft verurteilt. Gerhard Müller wird vorzeitig aus der Haft entlassen, Irmgard Möller wird später erneut angeklagt und zu lebenslanger Haft verurteilt.
9.5. - In einer Zelle im Gefängnis Stuttgart-Stammheim wird Ulrike Meinhof tot aufgefunden. Als Protest gegen ihren Tod gibt es in den folgenden Wochen zahlreiche Anschläge, Demonstrationen und Strassenschlachten im Bundesgebiet und im Ausland. Im Gefängnis Frankfurt-Preungesheim protestieren 36 Frauen mit einem dreitägigen Hungerstreik.
18.6. - Bei einem Brandanschlag auf das Büro des Zwangsverteidigers von Margrit Schiller in Hamburg wird dessen Sekretärin Johanna Keller getötet. Später wird ein Brandanschlag auf das Auto eines Zwangsverteidigers im Düsseldorfer Prozess verübt. Die Gefangenen aus der RAF distanzieren sich von diesen Aktionen.
27.6. - Ein Kommando aus RZ und PFLP-GC entführt ein über Athen aus Tel Aviv kommendes Flugzeug nach Entebbe und fordert die Freilassung von 53 Gefangenen aus Israel, Kenya, Frankreich, der Schweiz und der Bundesrepublik. Am 4.7. wird das Flugzeug von einer israelischen Militäreinheit gestürmt. Dabei werden die 4 Mitglieder des Kommandos, 3 hinzugekommene Palästinenser, 3 Geiseln, der Kommandant der israelischen Einheit und 45 ugandische Soldaten getötet. Gleich nach Anfang der Entführung werden den Gefangenen aus der RAF die Radios, Zeitungen und Kontakte mit der Aussenwelt gesperrt.
7.7. - Aus dem Frauengefängnis Lehrter Strasse in Westberlin entkommen vier Gefangene aus der RAF und der Bewegung 2. Juni. Monika Berberich wird schon am 21.7. wieder verhaftet.
16.7. - Rechtsanwalt Croissant wird zum zweiten Mal verhaftet, nachdem er die Gründung einer internationalen Kommission zur Untersuchung des Todes von Ulrike Meinhof angekündigt hat.
18.-19.8. - In der ganzen Bundesrepublik werden Buchläden und Verlage wegen des "Verdachts der Unterstützung einer kriminellen Vereinigung" durchsucht. Zahlreiche Bücher und Zeitschriften werden beschlagnahmt.
9.9. - Der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas, Mao Tsetung, stirbt. Am 6.10. wird von seinem Nachfolger Hua Guofeng die "Viererbande" um Maos Witwe Jiang Qing verhaftet. Hiermit wird die chinesische Kulturrevolution endgültig beendet.
30.11. - Bei Butzbach werden Siegfried Haag und Roland Mayer verhaftet.
13.12. - Nach einem Banküberfall in Wien wird Waltraud Liewald verhaftet. Zwei Monate später wird sie zu 12 1/2 Jahren Haft verurteilt.

1977
23.1. - Im Stammheimer Prozess wird der Vorsitzende Richter Theodor Prinzing beim 85. Befangenheitsantrag gegen ihn wegen Befangenheit ausgeschlossen.
8.2. - Erste Haftentlassung von Brigitte Mohnhaupt.
17.3. - Die Baden-Württembergischen Innen- und Justizminister Karl Schieß und Traugott Bender geben zu, dass in Stammheim von BND und Verfassungsschutz installierte Wanzen benutzt wurden, um die Gefangenen abzuhören. In den Medien lassen sie Finten verbreiten, wonach von den Stammheimer Gefangenen gesteuerten Entführungen auf Kinderspielplätzen von der RAF geplant gewesen seien.
29.3.-1.5. - 4. Hungerstreik. Die Gefangenen aus der RAF fordern die Zusammenlegung in interaktionsfähige Gruppen.
7.4. - In Karlsruhe werden der Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seine zwei Begleiter vom Kommando Ulrike Meinhof der RAF erschossen. Sofort werden den Gefangenen aus der RAF für einige Tage die Radios, Zeitungen und Kontakte mit der Aussenwelt gesperrt.
13.4. - Im Rahmen der Fahndung gegen die RAF wird bei Lahn-Wetzlar der Schäfer Helmut Schlaudraff von der Polizei erschossen.
28.4. - Im Stammheimer Prozess werden die drei noch lebenden Angeklagten zu lebenslanger Haft verurteilt.
28.4. - Sprengstoffanschlag auf die Bundesärztekammer in Köln, erste Aktion der Roten Zora.
3.5. - In Singen wird bei einem Schusswechsel mit der Polizei Günter Sonnenberg durch einen Kopfschuss schwer verletzt. Verena Becker wird verhaftet.
13.5. - Haftentlassung von Irene Goergens.
2.6. - In Kaiserslautern werden Manfred Grashof und Klaus Jünschke zu lebenslänglich und Wolfgang Grundmann zu vier Jahren Haft verurteilt.
1.7. - Bei einem Überfall auf ein Waffengeschäft in Frankfurt am Main erbeutet die RAF mehrere Handfeuerwaffen.
11.7. - Rechtsanwalt Klaus Croissant verlässt die Bundesrepublik und beantragt politisches Asyl in Frankreich. Er wird dort am 30.9. verhaftet und an die Bundesrepublik ausgeliefert, wo er zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wird.
20.7. - In Düsseldorf werden Hanna Krabbe, Karl-Heinz Dellwo, Lutz Taufer und Bernd Rößner zu je zweimal lebenslänglich verurteilt.
30.7. - In seinem Haus in Oberursel wird der Vorstandssprecher der Dresdner Bank, Jürgen Ponto, bei einem Entführungsversuch von einem RAF-Kommando erschossen. Sofort werden den Gefangenen aus der RAF wieder für einige Tage die Radios, Zeitungen und Kontakte mit der Aussenwelt gesperrt.
9.8.-2.9. - Nach einem mit Provokationen vorbereiteten Überfall auf die Gefangenengruppe in Stammheim antworten die Gefangenen aus der RAF mit ihrem 5. Hungerstreik. Die Gruppe in Stammheim, die einige Monate vorher vergrössert worden war, wird wieder auf vier reduziert.
15.8. - Auf die Kanzlei der letzten Rechtsanwälte in Stuttgart, die mehrmals durchsucht worden ist und unter ständiger Observation der Polizei steht, wird ein Sprengstoffanschlag verübt.
25.8. - In Karlsruhe wird eine auf das Gebäude der Bundesanwaltschaft gerichtete Raketenanlage gefunden, die die RAF als eine Warnung an die Bundesanwaltschaft versteht.
29.8. - Eine kurz vor der Klagefrist an die Europäische Menschenrechtskommission in Strassburg gerichtete Klageschrift wird auf Antrag der Bundesanwaltschaft an der Grenze beschlagnahmt.
30.8. - In Stuttgart wird Rechtsanwalt Armin Newerla verhaftet. Weitere Verteidigungsunterlagen werden beschlagnahmt.
5.9. - In Köln wird BDA-Präsident Hanns Martin Schleyer vom Kommando Siegfried Hausner der RAF entführt. Sein Fahrer und seine drei Bodyguards werden erschossen. Über die Gefangenen aus der RAF wird sofort wieder eine "Kontaktsperre" verhängt, die per Gesetz am 28.9. legalisiert und insgesamt mehr als 6 Wochen dauern wird. Der Forderung des Kommandos nach Freilassung von 10 Gefangenen aus der RAF wird von der Bundesregierung nicht nachgegangen.
12.9. - In Südafrika wird Steve Biko im Gefängnis ermordet.
22.9. - Nach einer Schiesserei in Utrecht, bei der der Polizist Arie Kranenburg stirbt, wird Knut Folkerts verhaftet. Drei Monate später wird Knut Folkerts zu 20 Jahren Haft verurteilt. Wenig später wird er an die Bundesrepublik ausgeliefert.
28.9. - In Hamburg werden Wolfgang Beer, Christa Eckes und Helmut Pohl zu 4 1/2, 7 und 5 Jahre Haft verurteilt
30.9. - In Stuttgart wird Rechtsanwalt Arndt Müller verhaftet. Die restlichen Akten des Stuttgarter Anwaltsbüros werden beschlagnahmt.
13.10. - Das palästinensische Kommando Martyr Halimeh entführt ein Flugzeug der Lufthansa mit der Forderung nach Freilassung der Gefangenen aus der RAF. Am 17.10. wird der Flugzeugkapitän Jürgen Schumann erschossen und wird das Flugzeug von einer GSG9-Einheit gestürmt. Drei der vier Kommando-Mitglieder werden erschossen.
18.10. - In ihren Zellen im Gefängnis Stuttgart-Stammheim werden Andreas Baader und Gudrun Ensslin tot, Jan Raspe sterbend, und Irmgard Möller verletzt aufgefunden.
19.10. - Hanns Martin Schleyer wird vom RAF-Kommando Siegfried Hausner getötet.
9.11. - In Österreich wird der Unternehmer Walter Palmers von der Bewegung 2. Juni entführt und gegen Zahlung eines Lösegelds von 30 Millionen Schilling (2,3 Millionen Euro) wieder freigelassen.
11.11. - In Amsterdam werden Christoph Wackernagel und Gerd Schneider verhaftet.
12.11. - In einer abgelegenen Zelle im Gefängnis München-Stadelheim wird Ingrid Schubert tot aufgefunden.
28.12. - In Stuttgart-Stammheim wird Verena Becker zu lebenslanger Haft verurteilt.

1978
21.1. - In Hamburg wird Christine Kuby verhaftet.
26.2. - Die Bekanntmachung einer Lauschaktion des Bundesamts für Verfassungsschutz gegen den Atomphysiker Klaus Traube wegen angeblicher RAF-Sympathien führt zu einer Regierungskrise.
10.3.-20.4. - 6. Hungerstreik der Gefangenen aus der RAF.
16.3. - In Rom wird der DC Politiker und frühere Ministerpräsident Aldo Moro von den Roten Brigaden entführt. Er wird am 9.5.1978 von den BR getötet nachdem der Austausch gegen Gefangenen aus den BR scheitert.
14.4. - Per Gesetz werden in der Bundesrepublik für alle Gefangenenbesuche Trennscheiben angeordnet.
26.4. - In Stuttgart-Stammheim wird Günter Sonnenberg zu zweimal lebenslänglich verurteilt.
4.5. - In Paris wird Henri Curiel, Unterstützer mehrerer Befreiungsbewegungen, ermordet.
11.-12.5. - In Jugoslawien werden Sieglinde Hofmann, Brigitte Mohnhaupt, Rolf Clemens Wagner und Peter-Jürgen Boock verhaftet. Nach der Weigerung der Bundesregierung, sie gegen acht Exilkroaten auszutauschen, werden sie am 17.11. freigelassen. Am Pariser Flughafen Orly wird Stefan Wisniewski verhaftet.
6.6. - Nach der Traube-Affäre tritt Bundesinnenminister Werner Maihofer zurück. Sein Nachfolger wird Gerhart Baum.
25.7. - "Celler Loch": An der Aussenmauer der Justizvollzugsanstalt Celle wird ein Sprengstoffanschlag verübt. Erst in 1986 stellt sich heraus dass hiermit vom Verfassungsschutz einen Ausbruchsversuch fingiert wurde, um über Gefangene und ihre Kontaktpersonen an die Illegalen heranzugelangen. Ausserdem wurde die Aktion für eine Kampagne zur Einführung der Sicherungsverwahrung bei politischen Gefangenen benutzt.
4.8. - Haftentlassung von Wolfgang Beer. Am 6.11. besetzt er mit 11weiteren Militanten das Frankfurter DPA-Büro, um eine Erklärung über die in dem Moment lebensbedrohliche Situation der Gefangenen Karl-Heinz Dellwo und Werner Hoppe abzugeben. Alle Besetzer werden verhaftet und zu einem Jahr Haft verurteilt.
6.9. - In Düsseldorf wird Willy-Peter Stoll von zwei Fahndern erschossen.
24.9. - Nach einer Schiesserei in Dortmund, bei der der Polizist Hans-Wilhelm Hansen stirbt, werden Angelika Speitel und Michael Knoll verhaftet. Michael Knoll wird so schwer verletzt, dass er am 8.10. stirbt.
1.11. - Bei einer Schiesserei bei Kerkrade in den Niederlanden werden die Zollbeamten Dirk de Jong und Johannes Goemans getötet.

1979
16.1. - Nach monatelangen Demonstrationen im Iran flieht Schah Reza Pahlavi mit seiner Familie in die USA. Ayatollah Khomeini kehrt am 1.2. aus dem Exil zurück. Nach einem Referendum wird im Iran am 1.4. die Islamische Republik ausgerufen.
8.2. - Werner Hoppe wird aus der Haft entlassen.
16.2. - In Stuttgart-Stammheim wird Rechtsanwalt Klaus Croissant zu 2 1/2 Jahre Haft und 4 Jahre Berufsverbot verurteilt.
19.3., 17.4. - In Darmstadt und Nürnberg werden Banken von der RAF überfallen.
20.4.-26.6. - 7. Hungerstreik der Gefangenen aus der RAF.
2.5. - In Hamburg wird Christine Kuby zu lebenslanger Haft verurteilt.
4.5. - In Nürnberg wird Elisabeth von Dyck von drei Fahndern erschossen.
31.5. - In Stuttgart werden Irmgard Möller zu lebenslänglich und Bernhard Braun zu 12 Jahren Haft verurteilt.
9.6. - Bei seiner Verhaftung in Frankfurt am Main wird Rolf Heißler durch einen Kopfschuss schwer verletzt.
25.6. - Sprengstoffanschlag auf den NATO-Oberbefehlshaber Alexander Haig durch das Kommando Andreas Baader der RAF in Brüssel. Der General kommt mit dem Schrecken davon.
17.7. - Sieg der Sandinistischen Befreiungsbewegung in Nikaragua.
25.9. - Haftentlassung von Helmut Pohl.
4.11. - In Teheran besetzen Studenten die US-Botschaft und nehmen 66 Geiseln, die erst am 20.1.1981 freigelassen werden.
19.11. - Nach einem Banküberfall in Zürich und einer anschliessenden Schiesserei, bei der eine Passantin getötet wird, wird Rolf Clemens Wagner verhaftet.
30.11. - In Düsseldorf wird Angelika Speitel zu lebenslanger Haft verurteilt.
19.12. - In Stuttgart wird Siegfried Haag zu 15 Jahren Haft verurteilt.

1980
31.1. - In Stuttgart-Stammheim werden die Rechtsanwälte Arndt Müller und Armin Newerla zu vier Jahren und acht Monaten bzw drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.
7.3. - Haftentlassung von Ron Augustin. Abschiebung nach Holland und Einreiseverbot in die Bundesrepublik bis 1994.
3.4. - Bei Neuss wird im Rahmen einer Fahndung gegen die RAF der Tontechniker Manfred Perder von einem Scharfschützen des BKA versehentlich erschossen.
5.5. - In Paris wird Sieglinde Hofmann verhaftet, zusammen mit vier Frauen aus der Bewegung 2. Juni: Ingrid Barabass, Karin Kamp-Münichow, Carola Magg, Regina Nicolai.
6.5. - Eine Demonstration gegen eine öffentliche Rekrutenvereidigung in Bremen ist der Auftakt zu einer breiten Anti-Kriegs-Bewegung, die bis in die zweite Hälfte der 1980er Jahre andauern wird. Einer der Höhepunkte ist die Demonstration von etwa 300.000 Menschen gegen den Besuch des US Präsidenten Reagan zum NATO-Gipfel am 10. Juni 1982 in Bonn.
2.6. - Die Bewegung 2. Juni macht ihre Zusammenfügung mit der RAF bekannt. Drei Gefangene aus der Bewegung 2. Juni distanzieren sich von dieser Entscheidung.
25.7. - Bei einem Autounfall in der Nähe von Bietigheim-Bissingen sterben Wolfgang Beer und Juliane Plambeck. 31.7. - In Stuttgart wird Knut Folkerts zu zweimal lebenslänglich verurteilt.
5.9. - In Düsseldorf werden Christof Wackernagel und Gerd Schneider zu je 15 Jahren Haft verurteilt.
22.9. - Anfang des Kriegs zwischen Irak und Iran, der bis zum 20.8.1988 dauern und mehr als eine Million Tote fordern wird.
26.9. - In Düsseldorf wird Rolf Clemens Wagner zu lebenslanger Haft verurteilt.

1981
20.1. - Ronald Reagan wird Präsident der USA. Er benennt William Casey zum CIA-Direktor.
22.1. - In Hamburg wird Peter Jürgen Boock verhaftet. Seitdem macht er sich mit Erfindungen über die RAF breit.
6.2. - 8. Hungerstreik von über hundert politischen Gefangenen. Der Hungerstreik wird am 16.4. abgebrochen nachdem die Bundesregierung die Zusage macht, dass kein Gefangener in Einzelisolation bleibe. Am selben Tag wird bekanntgemacht, dass Sigurd Debus gestorben ist.
1.3.-3.10. - Hungerstreik der Gefangenen aus der IRA in Nord-Irland. In diesem Hungerstreik sterben 10 Gefangene: Bobby Sands, Francis Hughes, Patsy O'Hara, Raymond McCreesh, Joe McDonnell, Martin Hurson, Kevin Lynch, Kieran Doherty, Thomas McElwee und Mickey Devine.
11.5. - Der Hessische Wirtschaftsminister Heinz Herbert Karry wird von einem Kommando der RZ erschossen.
31.8. - Das Kommando Sigurd Debus der RAF verübt einen Sprengstoffanschlag auf das europäische Hauptquartier der US-Airforce in Ramstein, bei dem 14 Personen verletzt werden.
15.9. - In Heidelberg verübt das Kommando Gudrun Ensslin der RAF einen Anschlag auf den Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Europa, General Frederick Kroesen. Seine gepanzerte Limousine wird von einer Panzerfaust getroffen, aber Kroesen überlebt.
15.10. - Anfang der Mobilisierung gegen den Startbahn West bei Frankfurt, die bis 1987 andauern wird. Am Bauplatz der Startbahn kommt es zu Demonstrationen von bis zu 150.000 Menschen.
4.12. - In Düsseldorf wird Stefan Wisniewski zu lebenslanger Haft verurteilt.

1982
1.5. - Verteilung der (5.) RAF-Zeitung "Guerilla, Widerstand und antiimperialistische Front".
13.6.-13.9. - Besetzung Beiruts durch die israelische Armee.
16.6. - In Frankfurt am Main wird Sieglinde Hofmann zu 15 Jahren Haft verurteilt. Die mit ihr zusammen verhafteten Frauen werden zu 5 bis 6 Jahren Haft verurteilt.
21.8. - Im Libanon wird von NATO Truppen aus den USA, Frankreich, Italien und Grossbritannien die Multinational Force gebildet, die den Abzug der PLO aus dem Libanon kontrollieren soll.
15.-16.9. - Massaker in den Palästinenserlagern Shabra und Chatila.
15.9. - In Bochum wird eine Bank von der RAF überfallen.
1.10. - In der Bundesrepublik bildet sich eine Koalitionsregierung aus CDU und FDP mit Helmut Kohl als Bundeskanzler.
10.11. - In Düsseldorf wird Rolf Heißler zu zweimal lebenslänglich und 15 Jahren Haft verurteilt.
11.-16.11. - An Erddepots bei Frankfurt am Main und Hamburg werden Brigitte Mohnhaupt, Heidi Schulz und Christian Klar verhaftet. Insgesamt werden von der Polizei acht Depots mit Waffen und Papieren gefunden.

1983
1.3. - In Darmstadt wird Gisela Dutzi verhaftet.
13.3. - In Düsseldorf werden Heidi Schulz und Rolf Clemens Wagner zu lebenslanger Haft verurteilt.
18.4. - Ein Sprengstoffanschlag auf die US-Botschaft in Beirut fordert 63 Tote. Im Jahr 1983 gibt es mehrere Kämpfe zwischen US-Marines und libanesischen Milizen. Im August bombardiert die Sechste Flotte Positionen der Druzen und Shiiten.
23.10. - Im Libanon werden zwei Basen der Multinational Force von zwei Sprengstoffanschlägen zerstört. Hierbei werden 241 US-Soldaten, hauptsächlich US-Marines, und 58 französische Paras getötet.

1984
26.3. - In Würzburg wird eine Bank von der RAF überfallen.
7.5. - In Stuttgart wird Peter-Jürgen Boock zu dreimal lebenslänglich und 15 Jahren Haft verurteilt, was später auf einmal lebenslänglich reduziert wird.
22.6. - In Deizisau bei Stuttgart wird Manuela Happe verhaftet.
2.7. - In Frankfurt am Main werden Helmut Pohl, Ingrid Jakobsmeier, Christa Eckes, Stefan Frey, Ernst Volker Staub und Barbara Ernst verhaftet.
5.11. - Bei einem Überfall auf ein Waffengeschäft in Maxdorf bei Ludwigshafen erbeutet die RAF Handfeuerwaffen, Gewehre und Munition.
Dezember - Die Zeitung "Zusammen Kämpfen" erscheint zum erstenmal. Sie enthält Erklärungen der RAF und des antiimperialistischen Widerstands und wird bis August 1990 als illegales Projekt zusammengestellt und verteilt. Nach zahlreichen Besetzungen, u.a. zur Unterstützung der Forderungen der Gefangenen, organisieren legale Militante sich zunehmend in illegalen Strukturen und verüben vor allem zwischen 1983 und 1990 auch ihre eigenen Anschläge.
4.12. - 9. Hungerstreik der politischen Gefangenen, bis zum 3.2.1985
18.12. - Das Kommando Jan Raspe der RAF stellt einen mit Sprengstoff beladenen Wagen bei der NATO-Offiziersschule in Oberammergau ab. Die Bombe wird entschärft bevor sie explodieren kann.

1985
15.1. - Gemeinsame Erklärung der RAF und Action Directe: "Für die Einheit der Revolutionäre in Westeuropa".
20.1. - Bei einem versuchten Anschlag auf die Deutsche Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt in Stuttgart explodiert eine Bombe vorzeitig und tötet Johannes Thimme. Claudia Wannersdorfer wird verletzt und verhaftet.
25.1. - In La Celle-Saint-Cloud bei Paris erschiesst das Kommando Elisabeth von Dyck der Action Directe den Waffenexportchef im französischen Aussenministerium General René Audran.
1.2. - In Gauting bei München erschiesst das Kommando Patsy O'Hara der RAF den MTU-Vorstandsvorsitzenden Ernst Zimmermann.
13.3. - In Düsseldorf werden Heidi Schulz und Rolf Clemens Wagner zu je zweimal lebenslänglich verurteilt.
2.4. - In Stuttgart-Stammheim werden Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar zu je fünfmal lebenslänglich verurteilt.
2.6. - Bei einem versuchten Anschlag auf das Verwaltungsgebäude der Messe in Hannover explodiert eine Bombe vorzeitig und tötet Jürgen Pemöller.
3.7. - In Offenbach werden Ingrid Barabaß und Mareille Schmegner verhaftet.
8.8. - Das Kommando George Jackson der RAF und der AD führt einen Sprengstoffanschlag auf den Rhein-Main Airbase bei Frankfurt durch, bei dem ein Soldat und eine Angestellte getötet und 11 Personen verletzt werden. Um sich den Zugang zur Airbase zu verschaffen, wird der Soldat Edward Pimental für seine ID-card erschossen.
6.12. - In Stuttgart wird Claudia Wannersdorfer zu acht Jahren Haft verurteilt

1986
31.1.-3.2. - In Frankfurt findet der Kongress "Antiimperialistischer und antikapitalistischer Widerstand in Westeuropa" mit etwa 1000 Teilnehmern statt.
5.2. - In München wird Ernst Volker Staub zu acht Jahren Haft verurteilt.
20.3. - In Stuttgart werden Christa Eckes zu 8 Jahren und Manuela Happe zu 15 Jahren Haft verurteilt.
15.4. - Die US-Luftwaffe und die US-Navy bombardieren Libyen. Die Aktion wird als eine Vergeltung für Libyens Unterstützung bestimmter palästinensischer Gruppen hingestellt. Dazu wird vor allem der Bombenanschlag auf die Diskothek La Belle am 5.4. in Berlin herbeizitiert, obwohl dieser Anschlag sich später als eine von der CIA inszenierten Provokation herausstellt.
9.7. - In der Nähe von München tötet das Kommando Mara Cagol der RAF das Siemens-Vorstandsmitglied Karl-Heinz Beckurts und seinen Fahrer mit einer ferngesteuerten Bombe.
2.8. - In Rüsselsheim werden Eva Haule und ihre Gesprächspartner aus dem antiimperialistischen Widerstand, Luitgard Hornstein und Christian Kluth, verhaftet.
10.10. - In Bonn wird der Ministerialdirektor im Auswärtigen Amt, Gerold von Braunmühl, vom Kommando Ingrid Schubert der RAF erschossen.
17.11. - In Paris wird der Vorstandsvorsitzende von Renault, Georges Besse, von der Action Directe erschossen.
23.12. - In Düsseldorf werden Helmut Pohl zu lebenslänglich und Stefan Frey zu 4 1/2 Jahren Haft verurteilt.

1987
21.2. - In der Nähe von Orléans werden die AD-Mitglieder Jann-Marc Rouillan, Nathalie Ménigon, Joëlle Aubron und Georges Cipriani verhaftet.
16.3. - In Düsseldorf wird Rolf Clemens Wagner zu lebenslanger Haft verurteilt.
18.12. - In Düsseldorf werden Andrea Sievering und Riko Prauss aus dem antiimperialistischen Widerstand verhaftet.

1988
29.3. - In Paris wird die ANC Vertreterin Dulcie September im Auftrag des südafrikanischen Geheimdienstes BOSS ermordet.
28.6. - In Stuttgart werden Luitgart Hornstein, Christian Kluth und Eva Haule zu 4 bis 15 Jahren Haft verurteilt.
20.9. - Versuchter Anschlag des Kommando Khaled Aker der RAF auf den Staatssekretär im Bundesfinanzministerium Hans Tietmeyer in Bonn.
September - Gemeinsame Erklärung der RAF und der BR-PCC zur Politik der Front.
30.11. - Begnadigung und Haftentlassung von Manfred Grashof und Klaus Jünschke.

1989
18.1. - In Stuttgart werden Andrea Sievering und Riko Prauss zu je 9 Jahren Haft verurteilt.
20.1. - George H W Bush wird Präsident der USA.
20.1. - In Düsseldorf werden Thomas Richter, Thomas Thoene, Barbara Perau und Norbert Hofmeier aus dem antiimperialistischen Widerstand zu 4 bis 10 Jahren Haft verurteilt.
1.2.-14.5. - 10. Hungerstreik der politischen Gefangenen.
9.11. - "Die Wende": Fall der Berliner Mauer. Am 3.10.1990 folgt die Wiedervereinigung Deutschlands.
30.11. - In Bad Homburg wird der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, durch einen Sprengstoffanschlag vom Kommando Wolfgang Beer der RAF getötet. Sein Fahrer wird verletzt.
30.11. - Verena Becker wird aus der Haft entlassen.
7.12. - Bei Südermarsch in Nordfriesland werden Ute Hladki und Holger Deilke verhaftet.

1990
11.2. - In Südafrika wird Nelson Mandela aus der Haft entlassen.
2.3. - Versuchter Anschlag auf den Landwirtschaftsminister Ignaz Kiechle in Bonn. Die Verantwortung wird der RAF angehängt, die sich davon aber distanziert.
5.6. - In Duisburg wird beim Überfall auf einen Supermarkt 325 000 DM (166 000 Euro) von der RAF erbeutet.
6.-18.6. - Verhaftung von Susanne Albrecht, Inge Viett, Werner Lotze, Christine Dümlein, Ekkehard von Seckendorff, Monika Helbing, Sigrid Sternebeck, Ralf Friedrich, Silke Maier-Witt und Henning Beer in der DDR. Zwischen dem 3.6.1991 und dem 26.8.1992 werden sie zu 6 bis 13 Jahren Haft verurteilt. Die meisten von ihnen stellen sich als Kronzeugen für weitere Prozesse gegen Gefangene aus der RAF zur Verfügung, im Tausch gegen Straferlass. In 1994 und 1995 werden aufgrund ihrer Aussagen Christian Klar, Heidi Schulz, Sieglinde Hofmann, Rolf Clemens Wagner und Ingrid Jakobsmeier erneut verurteilt.
30.6. - Begnadigung und Haftentlassung von Angelika Speitel.
27.7. - Versuchter Anschlag des Kommando José Manuel Sévillano der RAF auf den Staatssekretär im Bundesinnenministerium Hans Neusel in Bonn.

1991
15.1. - In Stuttgart wird Luitgart Hornstein zu neun Jahren Haft verurteilt.
16.1. - Nach der Besetzung von Kuwait durch den Irak im August 1990 und der Bereitstellung von 500 000 US-Soldaten und weiteren Truppen, bombardiert die US-Airforce den Irak zwei Wochen lang mit schweren Luftangriffen, bevor zu einer Invasion mit Bodentruppen angesetz wird, die bis zum 12.4. andauern wird. Im September 1996 und Dezember 1998 werden von der US-Airforce nochmals schwere Bombenangriffe auf den Irak geflogen.
13.2. - Auf die US-Botschaft in Bonn werden 250 Gewehrschüsse abgefeuert von einem RAF-Kommando das sich in einer ersten Erklärung Vincenzo Spano nennt, in einer zweiten Erklärung Kommando Ciro Rizatto.
1.4. - In Düsseldorf wird der Vorstandsvorsitzender der Treuhandanstalt, Detlev Karsten Rohwedder, vom Kommando Ulrich Wessel der RAF erschossen.
26.12. - Offizielle Auflösung der Sowjetunion.

1992
Januar - Die Revolutionären Zellen erklären das Ende ihrer Politik.
10.4. - "Zäsurerklärung" der RAF, in der sie von sich aus die Eskalation zurücknimmt und "Angriffe auf führende Repräsentanten aus Wirtschaft und Staat" einstellt.
15.5. - Günter Sonnenberg wird aus der Haft entlassen.
20.6. - Nach einer Demonstration im Mai vor dem Düsseldorfer Justizministerium, demonstrieren in Bonn 2.000 Menschen für die sofortige Freilassung der politischen Gefangenen.
17.11. - Bernd Rößner wird aus der Haft entlassen.

1993
20.1. - Bill Clinton wird Präsident der USA.
27.3. - Kurz vor der Einweihung des neuen Hochsicherheitsgefängnisses in Weiterstadt bei Darmstadt wird es vom Kommando Katharina Hammerschmidt der RAF mit Sprengladungen total verwüstet.
10.4. - In Südafrika wird der kommunistische ANC Führer Chris Hani von Anhängern des Apartheidsregimes getötet.
27.6. - Nach einer Verhaftungsaktion kommt es zu einer Schiesserei in Bad Kleinen, bei der Wolfgang Grams und der GSG9-Polizeikommissar Michael Newrzella sterben. Birgit Hogefeld wird festgenommen. Wegen einer Reihe von Widersprüchen bei der Aktion tritt Bundesinnenminister Rudolf Seiters zurück und wird Generalbundesanwalt Alexander von Stahl entlassen. Die Verhaftung war ermöglicht worden vom Verfassungsschutz-Agenten Klaus Steinmetz, der einen Kontakt zu den Illegalen gefunden hatte. Gleichzeitig lief ein Versuch, zu Verhandlungen mit der Bundesregierung zu kommen ueber einen Deal für die Gefangenen.
18.10. - In Stuttgart wird Ingrid Jakobsmeier zu 15 Jahren Haft verurteilt.
28.10. - Aus Anlass des versuchten Deals mit der Regierung erklärt Brigitte Mohnhaupt für die Gefangenen aus der RAF den Bruch mit den Illegalen und mit einigen der Gefangenen.
24.11. - In Düsseldorf wird Rolf Clemens Wagner zusätzlich zu 12 Jahren Haft verurteilt.

1994
28.4. - In einem weiteren Prozess gegen Eva Haule in Frankfurt wird sie zu lebenslanger Haft verurteilt.
27.7.-3.8. - Begrenzter Hungerstreik von Gefangenen aus der RAF für die Freilassung von Irmgard Möller.
5.9. - In Düsseldorf wird Heidi Schulz ein weiteres Mal zu lebenslanger Haft verurteilt.
1.12. - Haftentlassung von Irmgard Möller.

1995
21.2. - Haftentlassung von Christine Kuby.
25.-26.4. - Haftentlassung von Manuela Happe und Lutz Taufer.
10.5. - Haftentlassung von Karl-Heinz Dellwo
6.-8.8. - Solidaritätshungerstreik der Gefangenen aus der RAF zur Unterstützung der weltweiten Kampagne für Mumia Abu-Jamal.
26.9. - In einem weiteren Prozess gegen Sieglinde Hoffman in Stuttgart wird sie zu lebenslanger Haft verurteilt.
16.10. - Haftentlassung von Knut Folkerts.

1996
10.5. - Haftentlassung von Hanna Krabbe.
5.11. - In Frankfurt am Main wird Birgit Hogefeld zu dreimal lebenslänglich verurteilt. Ihre Haftentlassung ist auf 2011 festgesetzt.
19.11. - In Frankfurt am Main wird Souhaila Andrawes wegen der Entführung des Lufthansa-Flugzeugs im Oktober 1977 zu 12 Jahren Haft verurteilt.

1997
24.1. - Haftentlassung von Inge Viett.

1998
13.3. - Haftentlassung von Peter Jürgen Boock.
20.4. - Erklärung der RAF in der die Organisation ihre Aufhebung bekanntgibt.
19.5. - Haftentlassung von Helmut Pohl.
19.10. - Haftentlassung von Heidi Schulz. Ihre offizielle Begnadigung erfolgt am 26.2.2002.
27.10. - In der Bundesrepublik bildet sich eine Koalitionsregierung aus SPD und Grünen, mit Gerhard Schröder als Bundeskanzler, Joschka Fischer als Aussenminister und Otto Schily als Innenminister.

1999
1.3. - Haftentlassung von Stefan Wisniewski.
5.5. - Haftentlassung von Sieglinde Hofmann.
20.7. - Für einen Überfall auf einen Geldtransporter in Duisburg, bei dem eine Million DM (eine halbe Million Euro) erbeutet werden, werden die Illegalen der ehemaligen RAF verantwortlich gehalten.
15.9. - In Wien wird Horst Meyer von der Polizei erschossen. Andrea Klump wird verhaftet. Beide wurden wegen angeblicher Mitgliedschaft in der RAF gesucht. Andrea Klump wird am 28.9.2004 zu 12 Jahren verurteilt. Zwischen 1996 und 2003 stellen sich vier weitere Gesuchte. Die Ermittlungen gegen sie werden eingestellt. Gegen drei weitere Personen wird die Fahndung aufrechterhalten.

2001
26.10. - Haftentlassung von Rolf Heißler.

2003
10.12. - Haftentlassung von Rolf Clemens Wagner.

2007
25.3. - Haftentlassung von Brigitte Mohnhaupt.
7.5. - Bundespräsident Horst Köhler lehnt die Begnadigung von Christian Klar ab. Das ganze Jahr findet in den Medien eine beispiellose Hetzkampagne zum 30. Jahrestag des "Deutschen Herbst" statt, die u.A. in neue Ermittlungsverfahren gegen ehemalige Gefangene aus der RAF gipfelt.
17.8. - Haftentlassung von Eva Haule.

2008
19.12. - Haftentlassung von Christian Klar.

2009
26.8. - Unter der Beschuldigung, am Anschlag auf Generalbundesanwalt Buback beteiligt gewesen zu sein, wird Verena Becker verhaftet und bis zum 23.12. in Untersuchungshaft gehalten.